Weniger ist mehr: meine Probefahrt mit einer Royal Enfield Bullet 500!

So, angefixt von der Probefahrt mit der Triumph Street Twin (*seufz* das war eine echte Eingebung!), bin ich irgendwie auf der Suche nach dem ursprünglichen Motorradfahren! Mal wieder…

Vielleicht ist es auch irgendwie meinem Alter geschuldet, und mein Traummotorrad steht ja schon in Form meiner Ducati Supersport in der Garage: was ist schöner als unbeschwert und ohne Streß mit einem puristischen Moped durch die Gegend zu pflügen?

Und wenn ich mir schon solche Fragen stelle: was gehört schon zum genüßlichen Motorradfahren? In erster Linie, meiner Meinung nach,  ein Bike was einfach zu fahren ist und nicht durch komplizierte Technik überfordert. Leistung ist da eher nebensächlich, sondern mir geht es eher um das tagtägliche Fahren. Also mal eben einen Helm aufgesetzt, Bikejeans an, Textiljacke drüber, Handschuhe zurecht rupfen, Motor starten und los.

Und dazu gehört für mich eben nicht unbedingt ein modernes Bike im State-Of-The-Art Modus sich für die Tür stellt wie z.B. eine BMW GS 1200 oder ähnliche dicke Brummer. Das wäre für mich als würde ich nicht mit meinen kleinen Hybrid Yaris (ja beim Autofahren ist die Vernunft schon lange Herr der Mobilität), sondern eher mit einem 7,5 Tonner zum Einkaufen in die nächste enge Innenstadt gurken würde.

Ausserdem bin ich, wie viele andere auch zur Zeit, von der Optik der Retro- und Neoklassik Maschinen diverser Hersteller total angefeixt. Und gerade die Optik der Street Twin finde ich irgendwie schick. Und damit bin ich mal wieder beim Thema Oldtimer und ähnlichem.

Bzgl. alte Motorräder und Oldtimer kann ich nur sagen das es sehr viele Kräder gibt die ich wirklich schick finde. Siehe dazu mal meinen Beitrag wo ich im Meilenwerk Düsseldorf ein paar sehr sehr hübsche alte Racer gesehen habe! Allerdings, wenn ich mal ganz ehrlich zu mir selbst bin und dies sollte auch vielen Anderen klar sein, sind alte Motorräder nichts für mich. Denn alte Fahrzeuge, gilt natürlich auch für Autos, bedarf es meiner Meinung nach das man sehr viel Verständnis für die alte Technik haben sollte um diese auch mal eben am Straßenrand wieder so weit wieder flott zu bekommen das man auch weiter fahren kann, wenn man mal liegen geblieben ist. Und aus eigener Erfahrung weiss ich das es nicht immer ganz einfach ist, auch wenn die Technik einfacher ist wie bei moderneren Fahrzeugen. Da ich seit einiger Zeit versuche mir eine Suzuki GS 500 E für die Rennstrecke wieder fertig zu machen, merke ich einfach immer mehr das alte Maschinen nicht wirklich was für mich sind. Der Aufwand der da betrieben werden muss ist einfach zu hoch für mich…

Ausserdem was ist denn schon gegen neue Technik in sinnvollen Maßen einzuwenden? Ich meine ein gutes ABS, ein frischer Motor und ein Fahrwerk was seinen Namen verdient, das findet man bei Oldtimern eher weniger. Ausserdem denke ich das man das Fahren auf einem alten Motorrad mögen muss und ich weiss nicht ob das mit einem Hobel der all diese und gut funktionierende Technik nicht hat? Darauf muss man sich einlassen können.

Nur spricht mich die puristische Optik von alten Maschinen total an und ich finde dies mittlerweile irgendwie wieder frisch. Also was bleibt dann noch übrig ausser sich in dem Bereich der Neoklassiker umzugucken! Also moderne Technik im alten Gewand, eben wie bei der oben angesprochenen Street Twin! Oder vielleicht doch eine Maschine von einem Hersteller der seit vielen vielen Jahrzehnten Motorräder baut die Ihre Wurzeln bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts haben? Nur gibt es da nicht allzu viel Auswahl…

Und so kam es das ich bei einer kleinen Tour mit meiner Vespa, wo ich eigentlich nach Polo in Jüchen auf einen Kaffee an einem Samstag fahren wollte, das ich in der Nähe von Grevenbroich (jaja, die Energiehauptstadt von Horst Schlämmer!) auf den Gedanken kam nicht nach Polo zu fahren, sondern bei einem Royal Enfield Händler halt zu machen den ich über das Internet ausfindig gemacht hatte. Und wie sich noch heraus stellen sollte war dies eine gute Eingebung!

Royal Enfield hatte ich auch auf der letzten Intermot in Köln im letzten Jahr gesehen und war von den dort ausgestellten Modellen schon ein wenig hin und weg. Klassische Optik mit moderner Technik. Da hatte ich schon den Gedanken gefaßt das ich mal eine Enfield zur Probe fahren sollte. Gedanklich diesen Namen mal auf meine Liste gepackt. Und optisch muss ich sagen das es kaum andere Hersteller hinbekommen ein Design über Jahrzehnte hinweg gleich zu halten und dabei nur alles notwendige in die Moderne zu heben.

Als ich dann beim Händler angekommen war, hatte ich mir erstmal das Angebot dort in der Halle angeschaut. Da standen nicht nur Enfields in verschiedenen Farben, sondern auch einige umgebaute Harleys und auch ein paar 125er Brixton (die ich schon in Köln zur Probe gefahren bin!), und alles paßte irgendwie optisch schön zueinander. Klassische Optik wohin man hinschaute. Toll!

Mit dem Händler, Herbert Flöck, kam ich direkt ins Gespräch nachdem er vorher noch einen anderen Gast verarztet hatte. Herbert hatte mir, nachdem ich mein Interesse an einer Enfield bekundet hatte, ganz schnell den Schlüssel einer Enfield Bullet 500 in meiner Lieblingsoptik förmlich aufgeschwatzt! Eigentlich hatte ich gar nicht vor an diesem Tag eine Probefahrt zu machen, nur da Herbert mir immer wieder die Enfield auf wirklich nette Art und Weise die Enfield schmackhaft gemacht hat, konnte ich am Ende (also nach maximal 15 Minuten! 😀 ) nicht anders und habe dem Drängen nachgegeben und bin dann, nach den sehr kurzen Formalitäten und Einweisungen zur Maschine, eine Runde mit der Enfield gefahren!

Also Jacke und Handschuhe an, Helm auf und aufsitzen. Erster Eindruck: WOW da paßt alles, und das trotzdem die Sitzhöhe von ca. 79 Zentimeter für mich nicht besonders hoch ist. Alles sehr kommod und bequem. Als nächstes Spiegel einstellen und siehe da, auch das paßt mit der Rücksicht. OK, kommen wir nun zum wirklich spannenden Teil der beginnenden Probefahrt, das Starten des Motors! Schlüssel rum, Seitenständer einklappen und Starterknopf drücken, und auch hier ein wirklich positive Überraschung: nach einem sehr kurzem Anlasseranlauf springt der Motor mit einem freundlichen und dumpfen FUPP-FUPP-FUPP an. Der 500 Kubik Einzylinder macht seine Arbeit wirklich gut. Tolle Klangkulisse ohne das es in irgendeiner Art und Weise nervig werden würde und damit absolut sozialverträglich! Ich denke das Motorrad kann man auch ohne Probleme mitten in der Nacht in einem Wohngebiet voller Babies und Kleinkinder starten, ohne das die Nachbarn mit Mistgabeln einen zum Umzug zwingen würden…

So Motorrad läuft, also los… Und auch hier: so einfach kann Motorradfahren sein! Keine komplizierte Technik die einen durch diverse Displays oder anderem vom eigentlichen Geschehen auf der Straße ablenkt! Alles ist da wo es hin muss und alles paßt auf Anhieb. Also mal einfach aufs Fahren konzentrieren. Und das kann man auf der Bullet 500! Vor allem weil die Maschine einem in keinster Weise dazu verleitet unnötig am Gashahn zu ziehen und man somit auch kaum in die Verlegenheit eine längere Zeit zu Fuß gehen zu müssen!

Und nicht nur auf das Fahren kann man sich konzentrieren, sondern man bekommt zu jeder Zeit viel von der Landschaft mit! Und nicht nur einmal habe ich mich dabei erwischt auf den Tacho zu starren und ungläubig zu sehen wie langsam ich eigentlich unterwegs bin, und ich mich ein bisschen dazu motivieren mußte doch ein bisschen mehr am Gashahn zu ziehen um nicht unnötig als Verkehrshindernis von den folgenden Autos wahrgenommen zu werden! Allerdings war das auch kein grundsätzliches Problem, da mit Sicherheit die meisten die dann hinter einem fahren nicht daran glauben das es sich eigentlich um ein modernes Motorrad handelt. Also fährt immer ein kleiner Oldtimerbonus mit…

Also in diesem Fall, nach der Probefahrt mit der Enfield Bullet, kann ich nun mit Fug und Recht behaupten das ich ein Motorrad gefunden habe wo ich wirklich in allen Punkten positiv überrascht wurde. Das Teil macht einfach Spaß und ist optisch eine reine Augenweide! Moderne Technik die unauffällig im Hintergrund funktioniert und passend in klassischer Optik verpackt. Dazu noch mit Euro4 so das man hier mit ruhigen Gewissen aufsteigen kann und keinen drastischen Benzinvernichter durch die Gegend kurvt. Und der Preis, im Vergleich zu anderen Retro- oder Neoklassikern, absolut bezahlbar. Denn für eine nagelneue Bullet 500 zahlt man unter 6000 Euro. Auch Ersatzteile und Service sind wirklich Kundenfreundlich, obwohl mir Herbert erzählt hat das es vor einigen Jahren noch viel besser war!

Also ich könnte mir sehr gut eine Bullet 500 in meiner Garage vorstellen. Jetzt muss ich nur noch irgendwie an die passenden Kröten kommen…

So, aber seht nun selbst was für ein tolles Motorrad die Bullet ist:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Views All Time
Views All Time
870
Views Today
Views Today
1